Morgens halb 10 in Deutschland, irgendwo im Nirgendwo zwischen Hildesheim und Nordstemmen, stehen wir mit knapp 80 Mann und sind ready to fight.

Während Annika schon wieder los muss, weil die ganzen Bananen alle sind, grasen die Highland-Rinder auf den noch taunassen Wiesen und ihr stellt euch auf – was bei über siebzig Teilnehmern auf einer Linie schon die erste Herausforderung ist und nicht die erste, die an diesem Wochenende gemeistert wird.

Julian weist ein und dann geht’s los mit den Basics, nachdem Marcus euch mit Functional Fighter Fitness warm gemacht hat: Punshes, Kicks und Knife Defense. Kurze Pause und Annika muss wieder einkaufen fahren – wir haben ein wenig unterschätzt, was es heißt, hungrige Kämpfer ordentlich satt zu machen. 😉

Krav Maga Outdoor Action 2017. Krav Maga Camp, Bootcamp, Julian Kramar Krav Maga

Das nächste Thema steht an: Verteidigung gegen Stich und Schlagwaffen. Wie immer beim Krav Maga läuft das Unterrichten nach einer bestimmten Reihenfolge ab. Das Problem wird anhand von Beispielen erklärt und der Angriff gezeigt. Da es beim Krav Maga in erster Linie immer um Prävention geht, wird erklärt, wie man den Angriff präventiv vermeiden kann. Dann gibt es eine Demonstration – bei der ihr, die Schüler, zum Einsatz kommt. Schließlich wird die Technik, unter der Erklärung einzelner Check Points, also der Punkte, die wichtig sind, um die Technik umzusetzen, erklärt. Ihr trainiert die einzelnen Punkte dann nach und nach bis es am Ende zum Stressdrill kommt, wo ihr die Techniken unter Druck und mit dem Nutzen eurer Reflexe, fix anwenden müsst.

Krav Maga Outdoor Action 2017. Krav Maga Camp, Bootcamp, Julian Kramar Krav MagaWährend ihr trainiert, kommen Reporter und Fotograf der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, um über uns, das größte Wochenend-Seminar, das je außerhalb Israels stattgefunden hat, zu berichten. (Falls ihr den Artikel nicht gelesen haben solltet, ihr findet ihn hier auf unserem Blog.)

Nach drei Stunden intensiven Trainings gibt’s erstmal bergeweise Nudeln und wieder seid ihr hungrig und wir kommen nicht hinterher. Trotzdem – irgendwann sind alle satt und ausgeruht und weiter geht’s mit der Verteidigung gegen Ketten. Weil wir nicht wollen, dass ihr mehr Schmerzen habt, als ihr nach stundenlangem Krav Maga eh schon haben werdet, nutzen wir Plastik und keinen Stahl. Die Szenarios, die Julian erklärt, mögen sich für euch teilweise weit hergeholt anhören, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, dass ihr euch zum einen in die Situation reinversetzen könnt und zum anderen, eure Reflexe trainiert, um diese in jeder erdenklichen Situation anwenden zu können. Worum es uns geht ist, dass ihr sicher seid!

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Deshalb hat euch dann auch Sebastian die Defense gegen Schusswaffen gezeigt. Um euch ins Thema reinzubringen, dürft ihr erstmal Wasser hin und her werfen – dass einige von euch dabei nass werden ist ganz egal, denn das Wetter meint es gut mit uns und außerdem hattet ihr dabei jede Menge Spaß.

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Damit die Erklärungen nicht zu abstrakt sind, haben wir euch ein kurzes Video aus Israel gezeigt, bei dem Tamir Gilad, einer der G.I.T.s der IKMF mit Julian Schießtraining macht, denn…hinterher durftet ihr unter der Aufsicht von Andy und Sebastian selber schießen – allerdings erst nach dem Abschlussdrill.

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Während ihr noch schießt, kümmert sich Günther schon um den Grill. „Mann hat Feuer gemacht,“ sagt er, sich auf die Brust trommelnd. Wenn´s um Fleisch geht, kommen die Urinstinkte zurück.

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Jetzt heißt es Entspannung mit Barbecue und Bier und später mit Reggae und Lagerfeuer, während die übriggebliebenen Süßigkeiten die Runde machen. Ihr habt gedacht, das war´s für den Tag? Wir müssen euch enttäuschen.

Die low light Bedingungen und Versteckmöglichkeiten rund ums Camp müssen schließlich genutzt werden. Also: Multiple Attacker-Nacht-Pracour und ganz im Ernst…wir fragen uns, wo ihr die Kraft noch hernehmt. Die Attacker müssen nämlich ganz schön leiden und einige von euch haben noch die gleiche Schlagkraft wie am Morgen – wir verbeugen uns vor euch für so viel Durchhaltevermögen und Biss. Ihr seid halt echte Warrior!

Die Nacht war kurz und das ist am nächsten Morgen auch zu spüren. Entweder es war zu kalt in der Scheune, der Boden zu hart oder Max hat so laut geschnarcht, dass ihr kein Auge zu bekommen habt. Außerdem musste Roxy euch retten, weil jemand das Tor zugesperrt hatte, was schlecht ist, wenn man nachts das Bier wegbringen muss. 😀

Und trotzdem ist der Großteil von euch morgens um acht schon wieder auf den Beinen und…läuft. Guten-Morgen-Fighter-Fitness mit Marcus oder wie er sagt: „Das Laufen war nur zur Entspannung.“ Auch, wenn die meisten von euch sagen, dass das Training eher Folter als Entspannung ist. Gerade deswegen…ihr habt unseren vollsten Respekt.

Nach einem ausgiebigem Frühstück heißt es Boden und Take Downs und ihr zieht immer noch durch! Dann…der finale Stressdrill. Hier wird alles, was ihr die Stunden davor gelernt habt angewendet und eure Attacker müssen einstecken, einstecken, einstecken. Gerade die Mädels hauen ordentlich drauf, insbesondere Nia, unserer jüngste Teilnehmerin, sollte lieber keiner zu Nahe kommen.

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Nachdem wir dann mehr oder weniger logistisch klug alle Autos auf dem Gelände geparkt haben gibt´s das letzte Thema: Car Defense – die Verteidigung am und im Auto. Julian zeigt euch unterschiedlichste Szenarien. Sei es der Angriff am Auto, wo euch jemand mit dem Messer bedroht oder ein Angriff im Auto, wo ihr zum Beispiel jemanden mitnehmt und derjenige euch von hinten mit dem Gürtel die Luft abschnürt.

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Langsam merkt man euch die Anstrengungen der letzten zwei Tage an und trotzdem kämpft ihr! Deswegen gibt es am Ende für jeden von euch auch ein Zertifikat, unseren Respekt und den Applaus sämtlicher Teilnehmer. Denn ihr seid Warrior, keine Survivor!

Am Ende möchten wir noch einmal Danke sagen. Zunächst an euch Teilnehmer, weil ihr einfach großartig wart und von überall aus ganz Deutschland angereist seid. An alle Instruktoren, denn auch ihr musstet 48 Stunden konzentriert arbeiten und ein ganz besonderes Danke an alle anderen Helfer – Pia und Gerald, die uns konstant mit Kaffee, Keksen und warmem Essen versorgt haben und Annika, die gefühlt eine Woche an der Kasse von diversen Supermärkten verbracht hat. An alle, die beim Auf- und Abbau geholfen und ihre Freizeit geopfert haben und an Mario und Jan, die uns ihr Gelände und ihr Zuhause zur Verfügung gestellt haben.

Wir hoffen, ihr hattet so viel Spaß wie wir und ihr kämpft nächstes Jahr wieder mit uns!

Kida, ihr Warrior!